30 Tage mit dem Gravel durch Spanien – Von Sevilla nach Bilbao

Andalusien – allein der Name klingt wie ein Versprechen. Und gleich zu Beginn erfüllt Sevilla dieses Versprechen mit Leichtigkeit: eine lebendige Stadt voller Farben, Wärme und Lebensfreude. Nach einem ausgedehnten Stadtrundgang starten wir in unser Abenteuer – 30 Tage, über 1500 Kilometer, mehr als 15.000 Höhenmeter und rund die Hälfte davon auf Schotter.

Der erste Radtag beginnt mit Sonne, frischem Gebäck und einer fast leeren Landstraße. Am Wegesrand blühen Margeriten, Lavendel und gelbe Frühlingsblumen. Ein Tagesmenü mit drei Gängen sorgt für volle Bäuche und entsprechend schwere Beine – und so kämpfen wir uns mit Gegenwind nach Huelva. Als Belohnung wartet eine Dachterrasse mit Sundowner.

Am nächsten Morgen kreischen grüne Papageien über der Hoteldachterrasse. Die Sonne gewinnt langsam an Kraft, während wir auf einer alten Bahntrasse durch eine blühende Landschaft rollen. Der Weg wird später sandig, matschig und ruppig. Dafür gibt es unterwegs leckeren Schinken für das Abendessen und eine herzliche Begrüßung im Hotel, wo unsere dreckigen Räder wie selbstverständlich im Gastraum übernachten dürfen.

Ein Highlight des folgenden Tages ist der Blick in die riesige Kupfermine. Der Weg dorthin führt über steile Schotterhänge und eine Tragepassage – Heikos Idee, damit keine Langeweile aufkommt. Ein Dachs kreuzt unseren Weg, später kurbeln wir in der Hitze über einsame Berge und rauschen wieder hinab.

Die Landschaft der Extremadura wird weiter, ruhiger, fast savannenartig. Störche klappern auf Türmen und Masten, Schweine grunzen unter den Korkeichen, und Pilger grüßen freundlich. Die Hitze begleitet uns, ebenso wie kleine Bars mit einfachem, köstlichem Essen. Eine Herberge mit Pool, Waschmaschine und herzlichem Besitzer wird zum Tagesglück.

Regen am nächsten Morgen hält uns nicht auf – nach einem langen Frühstück mit zwei Pilgerinnen klart es auf. Wir besuchen Galisteo mit seiner mittelalterlichen Stadtmauer und folgen der Via de la Plata weiter nach Norden. Ein wunderschöner Bahnradweg, die Vía Verde, bringt uns schließlich bis nach Béjar.

Die Strecke nach Salamanca führt über einsame Bergstraßen, vorbei an Kühen, Enten und einem Granit-Themenpark. Die letzten 20 Kilometer auf losem Untergrund fordern uns noch einmal richtig. Doch Salamanca entschädigt für alles: kunstvolle Sandsteinarchitektur, lebendige Plätze, eine der ältesten Universitäten Europas – für uns die schönste Stadt der Reise.

Weiter geht es nach Zamora, durch Regenpfützen und über Schotter. Gewitter drohen, doch wir entkommen ihnen meist knapp. Die Temperaturen sind deutlich kühler als zuvor. Wir bummeln durch Tordesillas, Valladolid und Burgos und bestaunen die schöne Architektur.

Kurz vor Estella-Lizarra lädt ein Rotweinbrunnen zur spontanen Weinprobe ein. Die letzten beiden Etappen führen über einen Bahnradweg nach Vitoria‑Gasteiz und schließlich weiter nach Bilbao. Dort feiern wir das Finale – müde, glücklich und voller Eindrücke.

Fazit nach 30 Tagen Spanien:

Empfehlenswert? Absolut.